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Spiegel
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Ein Spiegel (von lateinisch speculum âSpiegel, Abbild, Spekulumâ, zu lateinisch specere âsehenâ) ist eine reflektierende FlĂ€che â glatt genug, dass reflektiertes Licht nach dem Reflexionsgesetz seine ParallelitĂ€t behĂ€lt und somit ein Abbild entstehen kann. Die Rauheit der SpiegelflĂ€che muss dafĂŒr kleiner sein als etwa die halbe WellenlĂ€nge des Lichts. Eine rauere weiĂe FlĂ€che remittiert ebenfalls alles Licht, jedoch wird dieses hierbei ungeordnet in alle Richtungen gestreut.
Auch nicht sichtbare elektromagnetische Wellen und Schallwellen können an geeigneten FlĂ€chen gespiegelt werden (âReflexionâ).
Die Transparenz und Absorption (halbtransparent, nicht-transparent, wellenlĂ€ngenabhĂ€ngige Transparenz oder Absorption) des Spiegels hat Einfluss auf Helligkeit und Farbe des Spiegelbildes. Ferner wird niemals die gesamte Energie gespiegelt, es gibt immer einen Verlust â der Reflexionsgrad ist immer kleiner als 100 %.
Contents
âą Planspiegel
âą Konvexe Spiegel
âą Konkave Spiegel
âą Wissenschaft
âą Symbolik
âą Aberglauben
âą Mittelalter
âą Verwandte Themen
âą Literatur
âą Dokumentation
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Eigenschaften des Spiegelbildes
Planspiegel (ebene Spiegel) liefern ein gleich groĂes virtuelles Spiegelbild. Der Gegenstand und das Spiegelbild haben den gleichen Abstand von der Spiegelebene.cite-ref-1[1]
Das Spiegelbild in einem ebenen Spiegel gibt ein wahrheitsgetreues, unverzerrtes Abbild sowohl von LĂ€ngen als auch von Winkeln. Der Spiegel vertauscht allerdings die ihm zugewandte mit der ihm abgewandten Seite. Dadurch wechselt die âHĂ€ndigkeitâ. Wenn sich der Beobachter in die Lage seines Spiegelbildes versetzen möchte, so erscheint es ihm, als ob rechts und links vertauscht wĂ€ren â alles erscheint im Wortsinne spiegelbildlich. Es liegt also nahe, die falsche HĂ€ndigkeit als eine Vertauschung von rechts und links zu interpretieren, was dann zum scheinbaren Widerspruch (Spiegelparadoxon) fĂŒhrt, dass im Gegensatz dazu oben und unten nicht vertauscht wird. Um in diesem Bild zu bleiben, kann man formulieren, dass der Spiegel nicht links und rechts, sondern vorn und hinten vertauscht.
FĂ€llt der Blick ĂŒber zwei Spiegel auf das Objekt, erscheint es wieder mit richtiger HĂ€ndigkeit. Dieses PhĂ€nomen machen sich Periskope und Spiegelreflexkameras zunutze. Mittels Spiegeln kann man nur durch Verwendung von einer geraden Anzahl Spiegeln im Lichtweg sich selbst so betrachten, wie man von anderen gesehen wird. Tripelspiegel liefern seitenverkehrte, auf dem Kopf stehende Bilder.
Wenn die SpiegelflĂ€che nicht eben ist, ist das Spiegelbild verzeichnet. Bei konvexen Spiegeln (gewölbt wie eine KugeloberflĂ€che) erscheint das (virtuelle) Spiegelbild immer verkleinert.cite-ref-2[2]cite-ref-3[3] Hingegen kann durch Hohlspiegel ein vergröĂertes (reelles) Spiegelbild erzielt werden. Das Abbild entsteht in der entfernungs- und krĂŒmmungsabhĂ€ngigen Fokusebene. Mit welligen Spiegeln können Zerrbilder erzeugt werden, wie man sie in KuriositĂ€ten- oder Lachkabinetten findet.
Formen und Verwendung
Spiegel können nach ihrem Aufbau unterteilt werden. Zum einen gibt es Spiegel fĂŒr alltĂ€gliche Zwecke, bei denen ein durchsichtiges TrĂ€germaterial von hinten beschichtet wird. Heute ist eine mit Aluminium beschichtete Glasplatte am hĂ€ufigsten zu finden, aber auch Silber mit einer Schutzschicht gegen Oxidation aus Kupfer wird eingesetzt. Die Metallschichten werden zusĂ€tzlich mit Lacken versiegelt. FrĂŒher verwendete man Quecksilber und Zinn. Ein Schutzlack war hier nicht notwendig, weil das Amalgam chemisch sehr stabil ist. Die Reinigung der Sichtseite von Staub, WasserrĂ€ndern und anderen Verschmutzungen, z. B. durch BerĂŒhren mit Fingern, ist gelegentlich erforderlich, jedoch verhĂ€ltnismĂ€Ăig unkritisch.
Im Gegensatz dazu ist der optische Spiegel ein OberflĂ€chenspiegel: Die spiegelnde FlĂ€che ist vorne auf einem TrĂ€germaterial aufgebracht. Das hat den Vorteil, dass die GrenzflĂ€chen der Glasschicht, welche zweifach vom Strahl durchquert werden, entfallen und somit nicht in der Lage sind, Schatten- und Mehrfachbilder zu bewirken. Nachteilig ist die AnfĂ€lligkeit der offenen OberflĂ€che fĂŒr Korrosion und ihre mechanische Empfindlichkeit bezĂŒglich Zerkratzen, insbesondere zur Reinigung. Zur Beschichtung wird heutzutage typischerweise Aluminium aufgedampft, das wesentlich weniger korrodiert als Silber und auĂerdem einen vergleichsweise flachen Spektralverlauf des Reflexionsvermögens auf hohem Niveau aufweist. Teilweise wird als Korrosionsschutz noch eine Siliciumdioxidschicht aufgedampft.
Ein weiterer Vorteil von OberflĂ€chenspiegeln ist, dass das TrĂ€germaterial nicht transparent sein muss, so dass eine gröĂere Palette von TrĂ€germaterialien verwendet werden kann. Dadurch können weitere Eigenschaften, wie z. B. Bruchsicherheit oder AbfĂŒhrung von Verlustenergie, optimiert werden. Des Weiteren können OberflĂ€chenspiegel auch aus dem vollen spiegelnden Material hergestellt werden. Hier wird nur die OberflĂ€che auf Spiegelglanz poliert, ohne eine weitere Beschichtung.
Eine andere Variante von optischen Spiegeln wird durch Prismenspiegel und Strahlteiler realisiert, bei denen das Licht durch eine plane GlasflĂ€che in den eher groĂvolumigen Glaskörper fĂ€llt und dann an einer schrĂ€g zum Strahlverlauf orientierten FlĂ€che in eine andere Richtung teilweise oder vollstĂ€ndig abgelenkt wird, um nach etwas Weg wieder aus dem Glaskörper auszutreten. Dabei wird evtl. die Totalreflexion genutzt, wodurch ein solcher Spiegel keine reflektierende Schicht benötigt, sondern das Grenzschichtverhalten des Materials nutzt, in dem sich das Licht bewegt. Auf der anderen Seite der Grenzschicht ist typischerweise Luft. Bei diesem Konzept kann z. B. Kondensation, also Feuchtigkeit auf der GrenzflĂ€che, die Funktion vorĂŒbergehend beeintrĂ€chtigen. Die Ein- und AustrittsflĂ€chen dagegen sind nur bedingt kritisch.
Planspiegel
Die bekanntesten Spiegel sind die Garderoben- und Badezimmerspiegel im Haushalt. FĂŒr sie wird meistens Floatglas verwendet, weil es besonders planparallel ist. Optische Planspiegel dienen in Versuchsaufbauten und/oder optischen BĂ€nken der Umleitung von StrahlengĂ€ngen in andere Richtungen.
Planspiegel erzeugen von einem Objekt kein reelles Bild wie beispielsweise eine Sammellinse. Der Spiegel zeigt einen vor dem Spiegel stehenden Gegenstand so, als wenn er im gleichen Abstand hinter dem Spiegel stĂŒnde. Dadurch ist der Gegenstand fĂŒr den Betrachter scheinbar weiter entfernt, so dass er wegen der Perspektive kleiner erscheint. Die eigentliche Abbildung erledigt hierbei aber nicht der Spiegel, sondern die Augenlinse des Betrachters, der Spiegel kehrt lediglich die LichtstrahlverlĂ€ufe um.
Konvexe Spiegel
Konvexspiegel stehen als Verkehrsspiegel im StraĂenverkehr an unĂŒbersichtlichen Kreuzungen und Ausfahrten. Ihre zweiachsig-konvexe Form ermöglicht es, die StraĂe trotz der geringen SpiegelflĂ€che gut zu ĂŒberblicken. Ihre Wirkungsweise entspricht der einer konkaven Linse, bildet also das Licht von einem weiten Bild auf ein deutlich kleineres Sichtfeld ab.
RĂŒck- und Seitenspiegel an modernen Fahrzeugen sind oft ab einem bestimmten Punkt einachsig-konvex gekrĂŒmmt, um den Blickwinkel zu vergröĂern und so den toten Winkel zu verkleinern.
Konkave Spiegel
Rasier- und Kosmetikspiegel sind konkave Hohlspiegel. Hier befindet sich der Betrachter innerhalb der Brennweite und sieht deshalb von sich selbst ein vergröĂertes virtuelles Bild, Ă€hnlich wie bei einer Lupe.
Konkave Spiegel oder Hohlspiegel werden auch fĂŒr Spiegelteleskope verwendet. Sie erzeugen von weit entfernten Objekten in ihrer Brennebene ein reelles Bild, Ă€hnlich wie konvexe Linsen. GegenĂŒber Linsenteleskopen besteht aber der Vorteil, dass keinerlei chromatische Aberration auftritt. Zudem verformen sich zu groĂe Linsen durch ihr Eigengewicht, so dass fĂŒr Teleskope ab etwa 1 m Ăffnung ausschlieĂlich groĂe oder unterteilte Spiegel verwendet werden â nur sie können ganzflĂ€chig gelagert, ausreichend dick und somit ausreichend steif sein. Die Formgenauigkeit eines Spiegels muss etwa viermal höher sein, als dies bei Linsenteleskopen der Fall ist (vgl. Brechungsgesetz, Reflexionsgesetz). Sehr groĂe Spiegelteleskope besitzen auĂerdem rĂŒckseitige Stellelemente, um mögliche Verformungen und Abbildungsfehler zu kompensieren.
Die Abbildung von sphĂ€rischen Hohlspiegeln, das heiĂt von Spiegeln in der Form einer KugelflĂ€che, ist prinzipiell mit dem Abbildungsfehler der sphĂ€rischen Aberration behaftet, auĂer wenn ein Objekt auf sich selbst abgebildet wird. Sollen dagegen parallel eintreffende Strahlen von der gesamten SpiegeloberflĂ€che in einem Punkt fokussiert werden, so muss prinzipiell ein Parabolspiegel verwendet werden. Um in Teleskopen trotzdem einen deutlich gĂŒnstiger herzustellenden sphĂ€rischen Spiegel verwenden zu können, wĂ€hlt man ein ausreichend langes ĂffnungsverhĂ€ltnis, so dass der Fehler durch sphĂ€rische Aberration kleiner als andere Fehler des Systems wird, oder man verwendet zusĂ€tzliche Korrekturlinsen. Bei Teleskopen im gehobenen Amateurbereich ist beispielsweise die Korrekturplatte nach Bernhard Schmidt (siehe Schmidt-Teleskop) hĂ€ufig anzutreffen.
Zur Fokussierung einer Punktlichtquelle in einem zweiten Punkt muss die SpiegelflĂ€che die Form eines Ellipsoids haben (Beispiel: Lichtquellen mit Höchstdruck-Quecksilberdampflampen fĂŒr die Fotolithografie).
Parabolspiegel werden auch in solarthermischen Kraftwerken verwendet, um das Sonnenlicht auf den Dampferzeuger zu konzentrieren und so möglichst hohe Temperaturen zu erreichen. Auch Autoscheinwerfer enthalten Parabolspiegel. Bei Projektionsscheinwerfern (Auto, BĂŒhne) erzeugt ein sphĂ€rischer Spiegel ein Abbild neben der GlĂŒhwendel. Das Licht der Wendel und des Abbildes werden mit einer davor befindlichen asphĂ€rischen Linse parallel gerichtet.
Sonstige Formen und Anwendungen
Die Zauberkunst verwendet bei optischen Tricks auf der BĂŒhne Spiegel, um GegenstĂ€nde scheinbar verschwinden zu lassen (Bild unten). Unterhaltsame Beispiele dazu: siehe Unsichtbarkeit.
Zerrspiegel sind verformte Spiegel. Durch gewellte SpiegelflĂ€chen entstehen vielfache Verzeichnungen, die den Betrachter zum Beispiel dicker, dĂŒnner oder verbogen darstellen. Die teilweise bizarren Effekte wurden frĂŒher in Wunderkammern und auf JahrmĂ€rkten zur Belustigung der Betrachter eingesetzt, heute noch findet man solche Spiegel in Lachkabinetten. Konvexspiegel (Wölbspiegel) und Hohlspiegel wirken verkleinernd bzw. vergröĂernd. Teilweise werden in KleidergeschĂ€ften Zerrspiegel verwendet, welche das Abbild schlanker erscheinen lassen: âDer Spiegel lĂŒgt.â
Die medizinische Diagnostik nutzt zur Spiegelungcite-ref-4[4] beispielsweise Endoskope (daher der Begriff Magenspiegelung) oder Augenspiegel sowie operative Eingriffe (etwa die Bauchspiegelung) zur Inspektion unzugÀnglicher HohlrÀume.
Spiegel in Lasern und zu deren StrahlfĂŒhrung und -fokussierung haben besonders hohe Leistungsdichten zu ertragen. Daher mĂŒssen sie entweder besonders verlustarm reflektieren oder sie mĂŒssen die entstehende WĂ€rme ableiten, d. h. gekĂŒhlt werden. Man verwendet Interferenz- und Metallspiegel. Erforderlich sind voll reflektierende Spiegel (Endspiegel, Fokussierspiegel) und teiltransparente Spiegel (10 bis 99,9 % Reflexionsgrad, etwa fĂŒr Auskoppelspiegel und Strahlteiler).
Beschichtungen der OberflÀche
Durch die Art der Beschichtung kann man den gewĂŒnschten WellenlĂ€ngenbereich mit hohem Reflexionsfaktor vorgeben:
âą Metallbeschichtungen reflektieren im sichtbaren Bereich gut (â 95 %), versagen aber bei Silber und Gold im UV-Bereich, wie im nebenstehenden Bild zu sehen ist.
âą Dichroitische dielektrische Spiegel (Interferenzspiegel) bestehen aus mehreren transparenten Schichten mit abwechselnd jeweils unterschiedlichem Brechungsindex auf einem Glassubstrat. Sie reflektieren nur in einem begrenzten WellenlĂ€ngenbereich sowie in einem begrenzten Einfallswinkel. Man kann sie so aufbauen, dass sie entweder nur in einem sehr schmalen WellenlĂ€ngenbereich sehr gut reflektieren (â 99,9 %) oder beispielsweise den gesamten IR-Bereich durchlassen (Kaltlichtspiegel bei Halogenlampen).
Als Substrat kommen auch Metalle, Kunststoffe und sogar einkristalline Stoffe zum Einsatz. Kriterien fĂŒr die Substratwahl sind dessen Bearbeitbarkeit, WĂ€rmeausdehnungskoeffizient, Preis und â besonders bei hohen Leistungen â die WĂ€rmeleitfĂ€higkeit. Zur Materialbearbeitung mit Kohlendioxidlasern werden oft Ganzmetallspiegel aus Kupfer eingesetzt.
Haushalts- und Kraftfahrzeug-Spiegel (AuĂenspiegel, Scheinwerfer) bestehen aus einer Aluminiumschicht hinter Glas oder auf Kunststoffen. FrĂŒher verwendete man fĂŒr Haushaltsspiegel Silberschichten, diese neigten jedoch zum Anlaufen und liefern ein leicht gelbstichiges Bild.
Silber- und Goldschichten, aber auch Kupfer sind jedoch fĂŒr Infrarot gut geeignet. Die Reflexion im Mittleren und Fernen Infrarot korreliert mit der spezifischen elektrischen LeitfĂ€higkeit des verwendeten Metalls.
FĂŒr Ultraviolett werden Aluminium oder dielektrische Schichten verwendet.
Röntgenstrahlung kann nur in einem sehr flachen Winkel zur OberflĂ€che (Einfallswinkel â 90°) von Metallen reflektiert werden. Ursachen sind die sehr geringe KohĂ€renzlĂ€nge und der Abstand der Atome, der etwa genauso groĂ ist wie WellenlĂ€nge. Durch den flachen Auftreffwinkel wird der scheinbare Atomabstand verringert.
FĂŒr gute Abbildungseigenschaften muss ein Spiegel (z. B. in Spiegelreflexkameras, Spiegelgalvanometern und Spiegelteleskopen) im Gegensatz zu Haushaltspiegeln die Spiegelschicht vorn tragen (OberflĂ€chenspiegel). Die Spiegelschicht muss in diesem Fall meist durch eine dĂŒnne, möglichst harte transparente Deckschicht vor Oxidation und mechanischer BeschĂ€digung geschĂŒtzt werden.
Als Interferenzspiegel werden oft auch als Spiegel ausgebildete Reflexionsgitter bezeichnet, sie bestehen aus einer mit mikroskopischen Rillen versehenen Spiegelschicht. Sie werden in Spektrometern und Monochromatoren verwendet, um einzelne WellenlÀngen zu separieren.
TeildurchlÀssige Spiegel
Metallbeschichtung
TeildurchlÀssige Metallschicht-Spiegel beruhen auf einer Eigenschaft, die bereits auch unbeschichtete GlasoberflÀchen besitzen: Sie sind in einem breiten WellenlÀngenbereich teilreflektierend.
Solche teiltransparenten Spiegel haben auf einer Glasscheibe eine reflektierende Schicht (Silber, Gold oder andere Metalle), die wesentlich dĂŒnner (einige 10 nm) ist als bei einem normalen Spiegel, so dass nur noch ein Teil des auftreffenden Lichts reflektiert wird und ein weiterer Teil absorbiert wird oder ungehindert hindurchtritt.
HalbdurchlĂ€ssige Spiegel sind auch als âSpionspiegelâ oder Teilerspiegel bekannt und dienen als Strahlteiler: Ein Teil des einfallenden Lichtes wird reflektiert, der Rest durchgelassen (eine Absorption werde hier vernachlĂ€ssigt). Die jeweiligen Anteile lassen sich durch Wahl einer geeigneten Zusammensetzung der aufgetragenen Reflexionsschicht bestimmen.
DĂŒnne Goldschichten reflektieren vorrangig im Infrarot, sind jedoch im sichtbaren Licht blĂ€ulich transparent.
Einwegspiegel
Dichroitische Spiegel
Interferenzspiegel sind abseits ihrer BemessungswellenlÀnge immer teiltransparent. Sie tragen auf einem Glassubstrat mehrere transparente Schichten mit abwechselnd jeweils unterschiedlichem Brechungsindex. Die Dicke der Schichten betrÀgt die halbe WellenlÀnge der zu reflektierenden Strahlung.
Interferenzspiegel reflektieren nur in einem begrenzten WellenlÀngenbereich sowie in einem begrenzten Einfallswinkel, erreichen hierbei jedoch wesentlich höhere Reflexionsgrade (> 99,9 %), als dies mit Metallspiegeln (bis etwa 96 %) möglich ist.
Interferenzspiegel können auch als verlustarme teiltransparente Spiegel (Strahlteiler) sowie zur Aufteilung in verschiedene WellenlÀngen als Farbfilter (Interferenzfilter) verwendet werden.
Spiegel in der Gesellschaft
Wissenschaft
In der Verhaltensforschung gilt das Erkennen des eigenen Spiegelbildes, das mittels Spiegeltest experimentell untersucht werden kann, als ein Zeichen von Intelligenz und Abstraktionsvermögen. Kleinkinder mĂŒssen fĂŒr diese FĂ€higkeit erst elementare Entwicklungsstufen durchlaufen, sie bestehen den Spiegeltest meist mit 2 Jahren.cite-ref-0-5-0[5] Die meisten Tiere sind gar nicht in der Lage, die Bildinformation eines Spiegels auf sich selbst zu beziehen, nur einigen gelingt dies, z. B. Primaten und Delfinen.cite-ref-0-5-1[5] Bei Vögeln und anderen Tieren ist daher das PhĂ€nomen der Spiegelfechter bekannt, die ihr eigenes Spiegelbild bekĂ€mpfen.cite-ref-roerig-6-0[6]
Symbolik
Der Spiegel ist ein Ă€uĂerst zweideutiges Symbol. Einerseits gilt er als Zeichen der Eitelkeit und der Wollust. Andererseits symbolisiert er auch Selbsterkenntnis, Klugheit und Wahrheit: Ursprung fĂŒr die heute noch gebrĂ€uchliche Redensart âJemandem einen Spiegel vorhaltenâ oder âSpiegelbild der Seeleâ. In den Augen mancher Christen ist der Spiegel auch ein Attribut Marias, weil sich in ihr gewissermaĂen das Ebenbild Gottes, nĂ€mlich Jesus, spiegelt.
In antiken Kulturen stand der Spiegel als Abbild der Seele einer Person, in dem â je nach mythologischer Vorstellung â die Seele auch eingefangen und festgehalten werden konnte. Im Alten Ăgypten waren die Worte âSpiegelâ und âLebenâ identisch. Keltinnen wurden aus demselben Grund mit ihrem Spiegel begraben. In der griechischen Mythologie wird Dionysosâ Seele von den Titanen in einem Spiegel gefangen. Die Reflexion seines Selbstbildes hielt Narziss auf dem Wasser fest. Auch im Buddhismus wird die Existenz des Menschen mit der Reflexion in einem Spiegel verglichen.
In der jĂŒdischen Ăberlieferung dient der Spiegel zur ErlĂ€uterung der ĂŒberragenden Rolle von Moses als Prophet. Maimonides vergleicht die göttliche Offenbarung mit der Erhellung einer Nacht durch den Blitz. Einigen Propheten wurde nur ein einziges Mal die Gnade eines solch blitzartigen Aufleuchtens gewĂ€hrt, anderen wiederum des Ăfteren, wĂ€hrend Moses einer dauernden, ununterbrochenen Erleuchtung teilhaftig war. Die Rabbiner erklĂ€ren, dass seine Seele die göttliche Botschaft wie von einem klaren Spiegel zurĂŒckwarf.
Im Neuen Testament wird der Spiegel von Paulus zum einen in AnknĂŒpfung an die rabbinische Deutung als Bild fĂŒr die dem Mose ĂŒberlegene christliche Gotteserkenntnis benutzt (2 Kor 3,18 ). Zum anderen dient der Spiegel (der damals als blank geputzte Metallplatte nur dunkel und verschwommen spiegeln konnte) als Bild fĂŒr die (im Vergleich zur Liebe) unvollkommene irdische Erkenntnis:
âJetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rĂ€tselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt ist mein Erkennen StĂŒckwerk, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.â
â
1. Korinther
13,12
In vielen Kulturen, so auch in der mitteleuropĂ€ischen Sagenwelt, gehören Spiegel und ĂŒbersinnliche Erkenntnis (Wahrsagen) zusammen. Von der Antike bis in die frĂŒhe Neuzeit wurde mit Hilfe von Spiegelwahrsagung (Katoptromantie) betrieben. Laut dem Volkskundler Trachtenberg haben noch im Mittelalter jĂŒdische Gelehrte geglaubt, dass Spiegel beim Hineinsehen die Kraft der Augen wiedergeben und sie auf diese Weise stĂ€rkten. Gelehrte hĂ€tten deshalb wĂ€hrend des Schreibens einen Spiegel vor sich hingestellt. Spiegelnde OberflĂ€chen herzustellen hatte auch noch etwas Magisches an sich.
In Klöstern waren Spiegel zum Teil verboten, um die Eitelkeit nicht zu fördern. In der chinesischen Tradition sah man den Spiegel als Verbanner des Bösen, denn wenn das Böse in den Spiegel sieht und seine Missbildung sieht, ĂŒberkommt es der Schreck. In der sozialen Umgebung bedeutete dies LoyalitĂ€t und in der geistlichen Sichtweise sah man es als Attribut des weisen Mannes, der seinen Verstand dem Spiegel Ă€hnlich Ă€uĂert.
In Japan spielte der Spiegel eine herausragende Rolle; er war eine der kaiserlichen Kostbarkeiten neben dem Thron und dem Schwert. Die shintoistische Tradition assoziiert einen achtkantigen Spiegel mit der Symbolik des Elements Metall und des kosmischen Epos ĂŒber die Sonnengöttin Amaterasu. Der Legende nach war es der Spiegel, der sie dazu gebracht hat, aus ihrem Versteck herauszukommen und der Welt das Licht zurĂŒckzubringen. Der Spiegel, der die Göttin reflektiert und sie erweckt, ist damit das Symbol der Welt, des Raums, in dem die Erscheinung entsteht. Der Spiegel wird mit der Zahl â8â assoziiert und mit dem Symbol der göttlichen Vollendung. Der Spiegel ist ein Mondsymbol, denn er ist wie der Mond eine Reflexion der Erscheinung. Der Spiegel wird mit dem Wasser verglichen und dient dem Wahrsagen und zu magischen Ritualen bei den Völkern von Kongo, Bambara und Asien. In einer Schale mit Wasser oder in einem Spiegel sieht der Wahrsager die Geister. In Altrussland haben junge Frauen magische Rituale mit Spiegeln durchgefĂŒhrt: An Heiligabend stellte man einen groĂen Spiegel gegenĂŒber einem kleineren, dazwischen stand eine Kerze. Dann bat man den Spiegel, seinen zukĂŒnftigen Mann zu zeigen, und wenn dieser sichtbar wurde, musste man schnell âGott stehe mir beiâ rufen, sonst wĂŒrde der DoppelgĂ€nger des Gezeigten aus dem Spiegel treten und der Frau viel Ăbel bringen, die ihn gerufen hat.
Im Mittelalter wurde der Spiegel als die Reflexion des Gotteswortes und als Mittel seiner Deutung aufgefasst. Sich Gedanken machen bedeutete, einen Spiegel zu besitzen, der die göttlichen Gesetze widerspiegelt und diese dadurch erkennen zu können. Er ist ein Mittel, Himmelskörper und den Kosmos zu beobachten.
âą Zu E.T.A. Hoffmanns Prosa-Sammlung FantasiestĂŒcke in Callots Manier gehört die ErzĂ€hlung Die Abenteuer der Sylvester-Nacht (1815), deren viertes Kapitel den Titel "Die Geschichte vom verlorenen Spiegelbilde" trĂ€gt: Hier verkauft der Protagonist Erasmus Spikher seiner im Bund mit der Teufelsfigur Dapertutto stehenden Geliebten Giulietta sein Spiegelbild, das symbolisch fĂŒr die Seele steht. (In der Oper Hoffmanns ErzĂ€hlungen von Jacques Offenbach, die auf drei ErzĂ€hlungen Hoffmanns (darunter auch Die Abenteuer der Sylvester-Nacht) zurĂŒckgreift, tritt die Figur Hoffmann an die Stelle Spikhers und verkauft das eigene Spiegelbild.)
âą In einer ErzĂ€hlung mit dem Titel Spiegelgeschichte (1949) erzĂ€hlt Ilse Aichinger das Leben einer Frau rĂŒckwĂ€rts, beginnend mit dem Tod bis hin zur Geburt.
âą Ein autobiographisch-poetischer Film von Regisseur Andrei Tarkowski trĂ€gt den Titel Der Spiegel (1975), und diese nahmen in seiner Filmsprache immer eine gewichtige Rolle ein. (Tarkowski plante auch, ĂŒber E. T. A. Hoffmann und unter anderem Die Geschichte vom verlorenen Spiegelbild zu filmen.)
⹠Der Film Orpheus (Orphée) von Jean Cocteau zeigt das Motiv des Dichters, der durch einen Spiegel ins Jenseits schreitet.
âą Das Buch Alice im Wunderland von Lewis Carroll zeigt den Spiegel als TĂŒr zum Wunderland.
âą Herta MĂŒller nennt ein Buch mit Essays zu ihrer Poetik Der Teufel sitzt im Spiegel. Das Sprichwort stammt von der GroĂmutter, schreibt sie, es soll vor Hoffart warnen.
âą Die Verbindung Tod/Teufel mit einem Spiegel ist seit dem SpĂ€tmittelalter, verstĂ€rkt seit dem Barock ein Vanitas-Symbol. In Daniel Hoffers (* 1470; â 1536) Holzschnitt erscheinen Tod und Teufel der eitlen Schönen im Spiegel. Ein Holzschnitt Der Teufel im Spiegel des eitlen MĂ€dchens stammt aus dem Ritter von Turn, Verlag Johann Bergmann von Olpe, Basel 1493.
âą Grimms MĂ€rchen Schneewittchen; ferner bei Rainer Maria Rilke, Nikolaus Lenau und Annette von Droste-HĂŒlshoff im Motiv des DoppelgĂ€ngers.
⹠Giovanni Segantini zeichnet die Vanitå als Schöne, die sich eitel im spiegelnden Wasser betrachtet.cite-ref-7[7]
Aberglauben
Spiegel sind schon seit langem hĂ€ufige Elemente des Aberglaubens und im Volksglauben.cite-ref-8[8] Beispiele hierfĂŒr:
âą Wenn man einen Spiegel zerbricht, wĂŒrde man sieben Jahre lang von UnglĂŒck heimgesucht, denn im Spiegel befĂ€nde sich ein DoppelgĂ€nger. Sollte man diesen verletzen, wĂŒrde er sich rĂ€chen. Man könne das UnglĂŒck auch abwenden, wenn man die Splitter schwarz fĂ€rbt oder sie in flieĂendes Wasser eintaucht.
⹠Sollte man einem kleinen Kind den Spiegel zeigen, könne es Àngstlich oder oft krank werden.
âą Wenn man aus dem Haus geht und feststellt, dass man etwas vergessen hat, solle man in seine Widerspiegelung schauen, sonst wĂŒrde man auf seinem Weg auf viele Hindernisse treffen.
⹠Im Hause eines Toten solle man alle Spiegel zuhÀngen, damit sich seine Seele dort nicht ansiedeln kann und die Lebenden erschreckt.
âą Eine Frau dĂŒrfe nicht in den Spiegel schauen, wenn sie menstruiert, schwanger ist oder gerade geboren hat, denn in dieser Zeit sehe sie ihr offenes Grab.
⹠Man solle vor dem Spiegel nichts Böses sagen und auch sich selbst nicht kritisieren, denn er spiegle das Gesagte.
âą Man solle sich jeden Morgen vor den Spiegel stellen und ihn darum bitten, alles Böse im Haus zurĂŒckzuwerfen und alle, die in dem Haus wohnen, zu beschĂŒtzen.
âą Man könne seine Energie mit Hilfe des Spiegels aufladen, wenn man einige Minuten in seine Augen schaut, und zwar morgens vor Sonnenaufgang oder abends nach Sonnenuntergang. Die ErklĂ€rung hierfĂŒr ist, dass die Sonne die Energie wie ein Magnet anziehe.
âą Im Schlafzimmer solle der Spiegel den Schlafenden möglichst nicht widerspiegeln, sonst wĂŒrde man unruhig schlafen. Man könne die Spiegel auch wĂ€hrend der Nacht zuhĂ€ngen. Wenn man unruhig schlĂ€ft, solle man einen groĂen Spiegel unter das Bett mit der Spiegelseite nach unten legen; er wĂŒrde alle EinflĂŒsse auf den Schlafenden in die Erde zurĂŒckwerfen.
âą Vampire (die selbst ein Aberglaube sind) haben kein Spiegelbild.
Geschichte der Spiegelherstellung
Entwicklung bis zum Ende des Altertums
Ruhende WasseroberflĂ€chen sind natĂŒrliche Spiegel. Die ersten kĂŒnstlichen Spiegel dĂŒrften flache Schalen mit Wasser gewesen sein. Schmuck und Körperbemalung gehören seit der Steinzeit zum Menschen und damit auch das BedĂŒrfnis, das Resultat des SchmĂŒckens und Bemalens an sich selbst zu sehen.
Die ersten von Menschen erschaffenen Spiegel entstanden möglicherweise schon in der Kupfersteinzeit oder in der Bronzezeit, indem man nun verfĂŒgbare Metalle zu diesem Zweck polierte. Bereits um 3000 v. Chr. gab es in Mesopotamien solche Bronzespiegel.
In ĂatalhöyĂŒk fand James Mellaart Spiegel aus Obsidian. Diese bestanden aus einer konisch grob behauenen RĂŒckseite und einer flachen Vorderseite. Diese wurde glatt poliert und ist ein wenig konvex. Nach den herstellungstechnischen Experimenten wurde die SpiegelflĂ€che zunĂ€chst grob zugehauen und dann mit groben und feinen Schleifsteinen, mit Sand, Lehm und Wasser poliert. Der Arbeitsaufwand, aus einer Obsidiankugel einen Spiegel so herzustellen, wird auf acht Stunden geschĂ€tzt.
Aus dem alten Ăgypten sind Spiegel aus polierten Bronze- und Kupferplatten bekannt. Sie treten seit dem Alten Reich in bildlichen Darstellungen auf und sind gut durch Funde belegt, da sie zur Standardausstattung von Frauenbestattungen gehörten. Diese Spiegel waren rund und hatten einen Griff, der meist aus einem anderen Material gefertigt war. Einige dieser Griffe sind reich verziert. Aus Ăgypten stammen auch die ersten BehĂ€ltnisse zur Aufbewahrung von Spiegeln. Alle erhaltenen Exemplare sind Handspiegel.cite-ref-9[9]
Die erste ErwĂ€hnung metallener Spiegel in der Bibel findet sich bei der Beschreibung der Ausstattung des Heiligtums der Israeliten nach dem Auszug aus Ăgypten (Ex 38,8 ): âEr machte das Becken und sein Gestell aus Kupfer, und zwar aus den Spiegeln der Frauen, die am Eingang des Offenbarungszeltes Dienst taten.â Die meisten anderen ErwĂ€hnungen sind in ĂŒbertragener Bedeutung und lassen kaum RĂŒckschlĂŒsse auf das Alltagsleben zu.cite-ref-10[10]
Etruskische und griechische Spiegel wurden auf der RĂŒckseite oftmals reich mit figĂŒrlichen Szenen dekoriert. Spiegel aus dem alten Griechenland haben oft auch einen Griff, der als Standbein fungierte, so dass man die Spiegel frei aufstellen konnte. Diese Standbeine sind oft in Form von stehenden Figuren gearbeitet. Daneben finden sich im 4. Jahrhundert v. Chr. die ersten Klappspiegel, deren Deckel, die die SpiegelflĂ€che schĂŒtzten, oft reich verziert sind.
Ăber dreitausend etruskische Bronzespiegel sind vor allem in Grabanlagen entdeckt worden. Sie wurden vom Ende des fĂŒnften bis zum 2. Jahrhundert v. Chr. in Etrurien produziert. Ăberwiegend Frauen benutzten diese Spiegel, die ihnen meist zur Hochzeit ĂŒberreicht und spĂ€ter mit in ihr Grab gelegt wurden. Frisch poliert leuchteten diese Spiegel der Ăberlieferung nach wie Gold. Auf die RĂŒckseite waren hĂ€ufig mythologische Szenen graviert. Die etruskischen Spiegel werden in dem internationalen Corpuswerk Corpus Speculorum Etruscorum (CSE) publiziert.
Römische Spiegel haben oft nicht mehr den langen Griff, wie er in den vorherigen Kulturen ĂŒblich war, doch kommen diese Griffe auch weiterhin vor. In Pompeji wurde beispielsweise ein Silberspiegel mit einem solchen Griff gefunden. Auch Klappspiegel waren verbreitet und erfreuten sich einer offenkundigen Beliebtheit. Sie konnten eine SpiegelflĂ€che aus Metall oder Glas haben. Die römischen Klappspiegel sind meist kleiner als die griechischen.
Die ersten Spiegel mit einer SpiegelflĂ€che aus Glas werden von Pliniuscite-ref-11[11] beschrieben und sollen in Sidon erfunden worden sein. Sidon gilt als einer der wichtigsten Orte in der frĂŒhen Glasherstellung, womit diese Annahme durchaus gerechtfertigt sein kann. Die Ă€ltesten erhaltenen Exemplare stammen aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert. Sie sind in der Regel rund. Das Glas ist meist innerhalb einer MetallflĂ€che eingelassen.
Mittelalter
Im 14. Jahrhundert entstanden erstmals Spiegel, indem man Glaskugeln blies und, noch wĂ€hrend sie glĂŒhten, in sie hinein Metalllegierungen einbrachte. Nach dem Erkalten zerteilte man diese Kugeln in Abschnitte und erhielt so konvexe SpiegelflĂ€chen. TrĂ€ger-Materialien, in das diese SpiegelflĂ€chen eingelassen waren, sind im höfischen Bereich ab dem 14. Jh. vor allem elfenbeinerne Spiegel oder Spiegeldosen, deren Herstellungszentren in Paris, Köln und den sĂŒdlichen Niederlanden zu verorten sind.cite-ref-12[12] Weiterhin gab es kleine, gĂŒnstiger zu produzierende Gusszinnkapseln,cite-ref-13[13] von denen allerdings kaum welche erhalten geblieben sind. Auch in Pilgerzeichen wurden kleine Spiegel eingelassen, diese wurden dann auch âSpiegelzeichenâ (auch Wallfahrtsspiegel) genannt. Weitere Spiegelfassungen bestanden aus Holz und sind heute so gut wie nicht mehr erhalten â allerdings geben Inventare und malerische Darstellungen Zeugnis von deren Existenz;cite-ref-14[14] das vielleicht berĂŒhmteste Beispiel ist der Spiegel in der sogenannten Arnolfini-Hochzeit von Jan van Eyck, der aus Holz besteht, in das mehrere emaillierte Medaillons eingelassen scheinen.
FrĂŒhe Neuzeit: Belegen mit Zinnfolie unter Verwendung von Quecksilber
Zum Ende des Mittelalters wurde die Technik der Glasspiegel weiterentwickelt, man stellte Quecksilber-Spiegel her. Dabei wurde Quecksilber auf dĂŒnne, auf Papier gelagerte, polierte Zinnfolien aufgetragen und mit einem weiteren, glatten Papierblatt bedeckt. Darauf wurde eine Glasplatte gelegt und leicht angedrĂŒckt, wĂ€hrend die obere Papierschicht wieder entfernt wurde. Nach 10 bis 20 Stunden Ruhe- und Presszeit und bis zu zwei Wochen Trocknungszeit war der Spiegel fertig.cite-ref-15[15]cite-ref-16[16]
Da sich Zinn und Quecksilber zu Zinnamalgam verbinden, wÀre Zinnamalgam-Spiegel die korrekte Bezeichnung. Die Herstellung dieser Spiegel war ungleich aufwÀndiger als die Spiegelherstellung durch Einblasen der Legierung in Glaskugeln, wurde jedoch fast vier Jahrhunderte lang angewandt.
Von der Erfindung um 1450 bis 1665 war die Herstellung von klaren Kristallspiegeln ein Monopol der Glasmacher der venezianischen Insel Murano. Diese stellten dĂŒnne Glasplatten her, die mit einem Gemisch aus Quecksilber, Zinn und Gold beschichtet wurden.cite-ref-0-5-2[5] Dann wurden zwanzig Handwerker von Jean-Baptiste Colbert abgeworben und eine königliche Spiegelglasmanufaktur errichtet, zuerst in Paris, ab 1695 in Saint-Gobain. Hier wurden die ersten ebenen Spiegel hergestellt, indem in einer Wanne Zinn geschmolzen wurde und auf dieses flĂŒssiges Glas gegossen wurde. Da das Glas leichter ist und einen höheren Schmelzpunkt hat, ist es auf dem Zinn absolut eben ausgehĂ€rtet. Diese ebene Glasplatte wurde mit Metallen hinterlegt und das ergab eine fast perfekte Spiegelung.cite-ref-0-5-3[5] 1734 kosteten zwei Quadratmeter Spiegelglas das Jahresgehalt eines Glasmachers.cite-ref-17[17]
Moderne: Beschichtung mit Silber und Aluminium
Im 19. Jahrhundert schlieĂlich entstand der Silberspiegel. 1835 publizierte Justus von Liebig die Zeilen: â[âŠ] wenn man Aldehyd mit einer Silbernitratlösung mischt und erhitzt, scheidet sich Silber auf der Wand des Glases ab und es entsteht ein brillanter Spiegel.âcite-ref-18[18] Aber erst als Amalgamspiegel 1886 wegen ihrer Giftigkeit verboten wurden, ging man allgemein zur Silberspiegelfabrikation ĂŒber. Zur genaueren Beschreibung der chemischen ZusammenhĂ€nge siehe auch: Silberspiegelprobe.
Heute presst man unter Vakuum Aluminiumfolie auf glatte Glasscheiben oder bedampft oder besputtert sie mit Aluminium.
Es gibt einfache Glasspiegel und wertvollere Kristallspiegel. Diese mĂŒssen mindestens zehn Prozent Oxide enthalten; entweder Bleioxid (PbO) oder Bariumoxid (BaO), Kaliumoxid (K2O) oder Zinkoxid (ZnO) (Siehe auch Kristallglas).
Verwandte Themen
âą Physikalische Betrachtungen finden sich unter Reflexion (Physik), Totalreflexion, Transparenz (Physik) und Linse (Optik).
âą Optische Kinderspielzeuge sind das Kaleidoskop und sogenannte Spiegelspiele.
âą Die rechtwinklige Anordnung mehrerer Spiegel reflektiert Lichtstrahlen zurĂŒck zur Quelle, siehe Retroreflexion.
âą Als toten Winkel bezeichnet man einen Bereich, der beispielsweise durch RĂŒckspiegel nicht eingesehen wird.
âą Das Spiegelstadium ist die Entwicklungsphase, in der sich ein Kind erstmals selbst wahrnimmt.
âą Ein Heliograph nutzt einen Spiegel zur Reflexion von Sonnenlicht zu einem entfernten Beobachter.
âą Das SchĂŒfftan-Verfahren projiziert eine Kulisse auf eine BĂŒhne.
âą Der im Barock entstandene Spiegelsaal sollte durch optische Effekte den Eindruck von Pracht, GröĂe und Opulenz vermehren.
âą anamorphotisch verzerrte Bilder werden oft durch zylindrische Spiegel entzerrt.
âą Das Spiegelparadoxon beschreibt die Frage, warum ein Spiegel scheinbar rechts und links, nicht aber oben und unten vertauscht.
Literatur
âą Jurgis BaltruĆĄaitis: Der Spiegel. Entdeckungen, TĂ€uschungen, Phantasien. 2. Auflage. Verlag Anabas, GieĂen 1996, ISBN 3-87038-283-X
âą Erwin Jaeckle: Das Hexeneinmaleins des Spiegels. Ein Essay, Calatra Press, Lahnstein 1997
âą Lambertus Okken: Die Glasspiegel in der deutschsprachigen Literatur um 1200. In: Janus 70, 1983, S. 55â96.
Dokumentation
âą Geschichte schreiben â Der Spiegel â Ich sehe mich. Regie: Tamara Erde. ARTE F, Frankreich, 18 Minuten, 2020
Weblinks
Commons
: Spiegel
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiquote: Spiegel
â Zitate
Wiktionary: Spiegel
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Literatur von und ĂŒber Spiegel im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
âą Flache Spiegel â Optische Effekte mit Spiegeln
âą Eigenschaften eines Spiegelbildes Landesbildungsserver Baden-WĂŒrttemberg
âą Kleine Kulturgeschichte des Spiegels bei Monumente-Online
Einzelnachweise
cite-note-11. â Spiegelbild â EinfĂŒhrung, auf leifiphysik.de, abgerufen am 10. Juli 2025.
cite-note-22. â M. V. Berry: Reflections on a Christmas-Tree-Bauble. (PDF; 1,1 MB) (Memento vom 11. Januar 2014 im Internet Archive) In: Physics Education. Band 7, Heft 1, 1972, S. 1â6, doi:10.1088/0031-9120/7/1/301
cite-note-33. â Eef van Beveren, Frieder Kleefeld, George Rupp: Images in Christmas baubles. In: European Journal of Physics. Band 27, Heft 2, 19. Januar 2006, S. 337, doi:10.1088/0143-0807/27/2/016
cite-note-44. â Vgl. Jörn Henning Wolf: Der Arzt und sein Spiegel. In: Christa Habrich, Frank Marguth, Jörn Henning Wolf (Hrsg.) unter Mitarbeit von Renate Wittern: Medizinische Diagnostik in Geschichte und Gegenwart. Festschrift fĂŒr Heinz Goerke zum sechzigsten Geburtstag. MĂŒnchen 1978 (= Neue MĂŒnchner BeitrĂ€ge zur Geschichte der Medizin und Naturwissenschaften: Medizinhistorische Reihe. Band 7/8), ISBN 3-87239-046-5, S. 477â516.
cite-note-0-55. â Tillmann PrĂŒfer: Das bist nicht du. Hrsg.: ZeitMagazin. Zeitmagazin, Nr. 4. dieZeit, Hamburg 19. Januar 2023, S. 15.
cite-note-77. â Abb. im Art. Segantini
cite-note-88. â Carl Haberland: Der Spiegel im Glauben und Brauch der Völker. In: Zeitschrift fĂŒr Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft 13, 1882, S. 324â346.
cite-note-99. â Ă€gyptische Spiegel
cite-note-1010. â Fritz Rienecker (Hrsg.): Lexikon zur Bibel. Volksausgabe. 16. Auflage. R. Brockhaus Verlag, Wuppertal 1983, ISBN 3-417-24528-1, Sp. 1321â1322.
cite-note-1111. â Plinius der Ăltere, Naturgeschichte 36,193.
cite-note-1212. â Gothic Ivories Project at The Courtauld Institute of Art, London: Gothic Ivories. In: Gothic Ivories Project at The Courtauld Institute of Art, London. The Courtauld Institute of Art, London, 1. Oktober 2008, abgerufen am 29. Juli 2018 (englisch, FĂŒr Beispiele als Suchbegriffe "Mirror" oder "Mirror Case" eingeben, dort findet sich auch weiterfĂŒhrende Literatur.).
cite-note-1313. â Museum Bojmans van Beuningen, Rotterdam: Lid of mirror box. In: Accession number F 9012 (KN&V). Museum Bojmans van Beuningen, Rotterdam, 1994, abgerufen am 29. Juli 2018 (englisch).
cite-note-1414. â Johanna Scheel: Das altniederlĂ€ndische Stifterbild. Emotionsstrategien des Sehens und der Selbsterkenntnis. Gebr. Mann, Berlin 2013, ISBN 978-3-7861-2695-9, S. 320â353.
cite-note-1515. â Kurmainzische Spiegelmanufaktur. In: Mensch und Wald â HandblĂ€tter fĂŒr Besucher. Spessartmuseum, Lohr am Main, 2002. Siehe ausfĂŒhrlich Werner Loibl: Die kurmainzische Spiegelmanufaktur Lohr am Main (1698â1806) und die Nachfolgebetriebe im Spessart, 3 BĂ€nde. Geschichts- und Kunstverein Aschaffenburg, Aschaffenburg 2012. ISBN 978-3-87965-116-0, ISBN 978-3-87965-117-7, ISBN 978-3-87965-118-4
cite-note-1616. â Fischerâsche Spiegelfabrik Erlangen, in: Nationalzeitung No 40, 10. MĂ€rz 1839
cite-note-1717. â Gesa Gottschalk: Das reflektierte Ich. In: Geo. 10, 2008, S. 72 ff.
cite-note-1818. â Vgl. auch Ludwig Hartmann: Faraday an Liebig (1858): Zur Geschichte der Silberspiegelherstellung. In: Sudhoffs Archiv 32, 1939/40, S. 397 f.